Udo-Lindenberg-Mittelschule verabschiedet sich an zwei Entlassfeiern von den Absolventen
Mit einer Mischung aus emotionalen Rückblicken, persönlichen Geschichten, tiefgründigen Anregungen und natürlich jeder Menge guten Wünschen verabschiedete die Mittelschule am 22. und 23.07.26 ihre Absolventen.
Nach der Begrüßung durch Konrektorin Melanie Dotzer und der religiösen Einstimmung durch Pfarrer Simon Dürr wandte sich der Elternbeiratsvorsitzende Stefan Kümmeth mit einem mitreißenden Appell an die Abgänger, sich von niemandem bremsen zu lassen und an den eigenen Erfolg zu glauben. Der Schulverbandsvorsitzende Michael Kraus beleuchtete in seiner Festrede nicht nur die Höhen und Tiefen der Schulzeit, sondern forderte die Jugendlichen auf, neugierig und respektvoll zu bleiben und ihr riesiges Spektrum an Möglichkeiten auszuschöpfen. Schulleiter Libischer widmete sich dem Thema Zukunftsangst. Dabei nutzte er die kluge Analogie des Scheinriesen Tur Tur aus Michael Endes „Jim Knopf“ um zu verdeutlichen, dass Dinge aus der Ferne häufig anders aussehen als bei näherer Betrachtung. Schließlich ermutigte er die Schüler, trotz Ängsten zu handeln und forderte sie zum differenzierten Denken und Urteilen auf.
Am Mittwoch wurden die Schüler der 10M und acht Absolventen der Praxisklasse verabschiedet. Ulrike Welthe zeichnete als deren Klassenleiterin das Bild einer harmonischen Truppe, in der, neben den üblichen schulischen Alltagproblemchen, viel gelacht wurde und ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn herrschte. Die starke Verbundenheit war für jeden spürbar als sich Jaden Dressler und Viktoriia Shynkarenko sehr emotional bei ihrer Lehrerin bedankten.
Die Zeugnisvergabe der 10M, bei der alle 22 Schüler die Prüfung bestanden haben, bot noch eine zusätzliche Besonderheit. Nach 35 Jahren im Schuldienst begleitete Lehrer Manuel Schmidt zum letzten Mal eine Klasse, bevor er in den Ruhestand geht. Als „Überraschungsgast“ trat deshalb Frau Bonnawitz, die Mutter einer ehemaligen Schülerin, ans Rednerpult und skizzierte sehr persönlich und ergreifend ihre Wertschätzung für den scheidenden Pädagogen. Dabei hob sie Schmidts herausragende Arbeit hervor und lobte seine Fähigkeit und die der Schule, Kinder so anzunehmen wie sie sind, ihre individuellen Stärken gezielt zu fördern und sie in schwierigen Situationen an die Hand zu nehmen. Das war stark und so war auch niemand überrascht, dass der berührte Hochgelobte, als er mit seiner Ansprache begann, stimmlich etwas nachbebte. Doch wie der Luftballon auf Banksys berühmten Kunstwerk „Girl with a red ballon“, das Herr Schmidt als Aufhänger für seine Rede nahm, verflog dies rasch und er nutzte seine letzte öffentliche Rede, um den Schülern nicht nur Wünsche für Neugier und Differenzierungsfähigkeit mit auf den Weg zu geben, sondern auch um zu betonen, dass Charaktereigenschaften im Leben schwerer als reine Noten wiegen. Dass diese werteorientierte Schwerpunktsetzung bei seinen Schülern ganz offensichtlich funktioniert hat, bewiesen die Schüler Lenny Dalmis und Ketty Metzger. Während der junge Mann sehr eloquent und hintergründig an die Idee des Schulprädikats „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ erinnerte, rief die junge Dame ebenfalls sehr eindrucksvoll dazu auf, das neue Kapitel des Lebens mit Menschlichkeit zu füllen.
Nicht minder herzlich und ergreifend verlief die Entlassfeier am zweiten Abend, als die Schüler der drei Regelklassen ihre Quali- und/oder Abschlusszeugnisse in Empfang nahmen. Insgesamt schafften 40 der 59 Schüler diese besondere Form des Abschlusses. Es sorgte gleich für große Aufmerksamkeit und einige Lacher, als die drei Klassenleiter Herr Hartmann (9a), Frau Meyer (9b) und Frau Sebald 9c, als Zwerge verkleidet, ihren „Koffer der Wahrheiten“ auf die Bühne schleppten. Aus diesem entnahmen sie dann Gegenstände, die alle anekdotisch verknüpft, an skurrile Geschehnisse der gemeinsamen Zeit erinnerten. Im Anschluss daran wurde der Koffer wieder gefüllt und zwar mit Wünschen für das künftige Leben. So sollen die Jugendlichen mit Herz, Mut und Geduld ihre Zukunft gestalten, sich auf ihrem persönlichen Weg nicht aufhalten lassen und gleichzeitig Umwege als Chancen sehen, da sich dort oftmals die größten Wunder verstecken.
Für die 9. Klassen dankten Isabell Witzgall, Nele Rieß, Lilly Stil, Demi Cai und Pia Peist für die Unterstützung, die Geduld, aber vor allem auch für den unermüdlichen Einsatz ihrer Lehrer, die nie aufgehört haben, an sie zu glauben.
Nach der feierlichen Übergabe der Abschlusszeugnisse, wobei Clara Zirk (10 M), Sofia Gal‘cenko, Tomasz Kaminski, und Rahand Baravan Rashed (alle 9 R) sowie Jayden Dressler (9P) für ihre herausragenden Leistungen gewürdigt wurden, erhielt Nele Rieß für ihren selbstlosen und großartigen Einsatz zum Wohle der Klassen- und der Schulgemeinschaft den Sozialpreis. Die Freude der Geehrten wurde sicherlich dadurch noch erhöht, dass dank der finanziellen Unterstützung durch die Reich-Stiftung und der Sparkasse Bad Neustadt neben warmen Worten auch noch etwas Zählbares überreicht wurde. An den Enden der beiden Abende schmückten Luftballons, bestückt mit persönlichen Wünschen der Schüler, den Abendhimmel, bevor sie sich aufmachten dorthin zu fliegen, wo sie in Erfüllung gehen…




















